Vorgeschichte zum Projekt

Das aus der Konkursmasse gerettete Bildarchiv der Philipp Holzmann AG bildet zusammen mit Zeitschriften und Berichten die Grundlage für ein gemeinsames Projekt des Bauhauptverbandes mit den Fachbereichen Bauingenieurwesen und Informationswissenschaften der FH Potsdam, das 2012 als Interflex-Projekt ausgezeichnet wurde. Das Teilprojekt der Bauingenieure läuft bis in die Gegenwart, seit der Übernahme des Bestandes mit dem Wirtschaftsarchiv als Projektpartner.

Im Zentrum steht die Erarbeitung von bauhistorischen Fallstudien. Das Bildmaterial der ehemaligen Holzmann AG, zum Teil auch Filme und die dazugehörigen Informationen, stehen im Magazin des Wirtschaftsarchivs zur Recherche zur Verfügung. Kontakte mit Mitarbeitern der ehemaligen Philipp Holzmann AG in Frankfurt am Main werden genutzt. Die Projektergebnisse sollen jeweils zum Ende des Semesters hochschulöffentlich präsentiert und in Form dieser Website dokumentiert werden.

Thematischer Schwerpunkt für Bauingenieurwesen

Bauausführungen der Philipp Holzmann AG – Innovation und Baudokumentation im Spiegel der Zeitgeschichte:
Ein Traditionsunternehmen besteht nicht mehr. Es hat Baugeschichte in Deutschland geschrieben. Zahlreiche Innovationen wurden von Philipp Holzmann sehr früh genutzt, Spezialverfahren entwickelt, Erfahrungen geprägt. Nicht nur im Hochbau, sondern auch im Hafen- und Tunnelbau und Brückenbau wurden anspruchsvolle Technologien entwickelt. Von der Bagdad-Bahn im 19. Jahrhundert und dem Hamburger Elbtunnel bis zu U-Bahnen in Buenos Aires, Frankfurt und Hamburg nach dem zweiten Weltkrieg, Hafenanlagen, Flughäfen und Hochhäusern in Deutschland, im Nahen Osten und in Lateinamerika noch bis in die jüngste Vergangenheit: Philipp Holzmann war in fast allen Baubereichen tätig.
Für die Ingenieurstudenten bildet die thematische Recherche ausgewählter Baubereiche im Vordergrund – es könnten z.B. U-Bahn Bauprojekte, Hafenbauten, Hochhäuser oder auch einzelne Verfahren wie z.B. Grundbaumethoden, Spannbeton usw. sein, an denen Fallstudien herausgearbeitet werden. Neben dem schriftlichen Teil besteht das Ergebnis auch in der Gestaltung eines umfangreichen Internetauftrittes. Im Interflex-Projekt erarbeiten sich die Studenten des Bauingenieurwesens eine Übersicht über die Tätigkeit des ehemals größten deutschen Baukonzerns und erwerben Fähigkeiten zur technischen Dokumentation an hochrangigen Bauprojekten.

Thematischer Schwerpunkt für Informationswissenschaften (2010)

Konzipierung der Digitalisierung, Erschließung und Bereitstellung des Philipp-Holzmann-Bildarchivs:

Das traditionsreiche Bauunternehmen Philipp Holzmann AG hatte nach seiner Insolvenz ein wertvolles Fotoarchiv hinterlassen, das 2010 kaum zugänglich war. Es wurde im Projekt des Fachbereichs Informationswissenschaften angestrebt, den Bestand zumindest teilweise zu digitalisieren, zu erschließen und der bauhistorischen Forschung sowie der breiten Öffentlichkeit für Recherchen per Internet bereitzustellen. Erste Schritte zur Konzipierung des digitalen Bildarchivs wurden getan. In dieser Projektveranstaltung ging es darum, das Digitalisierungs-, Erschließungs- und Bereitstellungskonzept weiter auszuarbeiten. Dabei spielten u. a. folgende Aspekte eine Rolle :

  • die Analyse der Bedürfnisse der künftigen Nutzergruppen,
  • Kriterien zur Auswahl von Fotos für die Digitalisierung,
  • die Festlegung von Digitalisierungsparametern,
  • die Formulierung der Anforderungen an die Recherchefunktionalitäten des digitalen Archivs
  • die Bestimmung des Metadatenschemas und –formats unter Berücksichtigung von Standards,
  • die Sicherung der langzeitigen Verfügbarkeit,
  • die Aufstellung eines Anforderungskatalogs für die Auswahl von Hard- und Software,
  • Kostenschätzungen, ggf. mit Alternativvorschlägen.

Logos zum Interflex-Projekt

Dies war eine interdisziplinäre Lehrveranstaltung an der Fachhochschule Potsdam, finanziert aus Mitteln des Projekts “InterFlex – Förderung von Interdisziplinarität und Flexibilität zur Integration von Forschung, Wissens- und Technologietransfer in die grundständige Lehre”.
“InterFlex” wurde im Rahmen des – vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Kultusministerkonferenz ausgelobten – Wettbewerbs “Exzellente Lehre” ausgezeichnet und wird mit Mitteln des Stifterverbandes und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg realisiert.

Projektpartner

Hauptverband der Deutschen Bauindustrie 
http://www.bauindustrie.de
Iris Grundmann
Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

Fachhochschule Potsdam
Fachbereich Bauingenieurwesen

http://bau.fh-potsdam.de
Prof. Dr. Andreas Kahlow

Fachhochschule Potsdam
Fachbereich Informationswissenschaften
http://iw.fh-potsdam.de
Prof. Dr. Angela Schreyer

Ziele 2010/2011

Die Projektpartner hatten sich folgende Ziele für die Jahre 2010/2011 gesetzt (und auch erreicht):

  • Erarbeitung einer Bestandsübersicht
  • Konzipierung der Digitalisierung, Erschließung und Bereitstellung sowie Kostenaufstellung für die Umsetzung
  • erste Nutzung des Bestandes für bauhistorisch orientierte studentische Abschlussarbeiten.

Ziele für 2012:

  • Planung der Umsetzung des Konzeptes
  • Abschluss der 2. Phase des Bereitstellungskonzeptes
  • Auswahl von Hardware- und Software

Mittelfristig ist zu klären,

  • ob das Phillip-Holzmann-Fotoarchiv mit anderen Sammlungen bauhistorischer Quellen sinnvoll verknüpft werden kann,
  • wie der analoge Bestand auf Dauer gelagert werden soll.

Zur Geschichte der Philipp Holzmann AG

Das traditionsreiche Bauunternehmen hat eine über 150-jährige Geschichte, die in folgendem teilweise online verfügbaren Buch behandelt wird:

Pohl, Manfred: Philipp Holzmann. Geschichte eines Bauunternehmens 1849-1999. München: Beck, 1999, S. 189 ff. (Online verfügbar in Google bücher)

Zur Entstehung des Bestandes

Der Dipl.-Ing. Johannes Marx, Bauingenieur, war bei der Philipp Holzmann AG  für die „Technische Werbung“ verantwortlich. Zu den Aufgaben dieser Abteilung gehörte die Bilddokumentation und die Herausgabe der Hauszeitschrift. Die Abteilung hatte für die Bilddokumentation zwei Fotografen angestellt.

Dokumentiert wurden nicht alle Projekte, sondern nur die wesentlichen:  Auslandsprojekte, große oder technisch interessante Projekte.

Was ursprünglich außer den Fotos noch an Projektunterlagen da war:

  • Planarchiv 
  • Zeichnungsarchiv
  • Schriftgutunterlagen (durch Insolvenzverwalter entsorgt)
  • Dokumentarfilme (wurden z. B. auf dem Bautechnik-Tag gezeigt, Themen: Leuchttürme an der Weser, U-Bahn-Bau Berlin, nach der Wende war ein Dokumentarfilmer aus Potsdam beauftragt)

Publikationen:

  • „Hauszeitschrift“ 
  • Veröffentlichungen in Fachzeitschriften

Zur Entwicklung nach der Insolvenz

  • Nach der Insolvenz hat ein IT-Spezialist die LARS-Datenbanksoftware sowie die Daten auf eine CD überspielt.
  • Viele schriftliche Unterlagen über Projekte sowie über 40 Dokumentarfilme wurden entsorgt.
  • Alle Personalunterlagen befinden sich in einem Archiv in der Nähe von Braunschweig.
  • Der Insolvenzverwalter hatte vor, die Fotos zu vermarkten (Prinzip einer Fotoagentur).
  • Die Räumlichkeiten, in denen der Bestand gelagert war, wurden gekündigt. Dann kam der neue Verwalter, der nicht wusste, was er mit dem Holzmann-Bestand anfangen sollte. Die Räume mussten geleert werden und aus diesem Grund sollte alles schnell entsorgt werden.
  • Als Notlösung wurde in Betracht gezogen, dass das Deutsche Museum (München) den Bestand übernimmt. Auf den ersten Versuch von Herrn Marx, den Kontakt mit dem Dt. Museum aufzunehmen, gab es keine Reaktion.
  • Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt a. M. (Stadtarchiv) übernahm einen Teil des Bestandes.
  • Herr Marx nahm Kontakt mit Dr. Stiepelmann vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. auf.  Es wurde die Übernahme des verbliebenen Bildbestandes durch den Verband vereinbart. Die Fotos wurden im Frühjahr 2005 nach Berlin transportiert und im Keller des Verbandes gelagert (wo sie sich bis Oktober 2017 befanden, ehe sie ins Wirtschaftsarchiv kamen).

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